Mit Worten Bilder malen!

„Es war einmal…“, so begannen in unseren Kindertagen alle Märchen, die uns unsere Mutter zum Einschlafen vorlas. Und auch heute noch berühren mich diese schlichten drei Worte:

Es war einmal.

Ich weiß nicht, ob die heutige Jugend noch Märchen vorgelesen bekommt, aber sicher ist, dass Sprachbilder zwar mit den Ohren gehört, aber mit dem Herzen aufgenommen werden. Oder sagen wir besser: mit dem Bauch!

Es sind ja nicht nur Sprachbilder, die uns nahegehen, sondern alle Arten von guten Geschichten, Metaphern oder Analogien. Auch Gedichte, Sinnsprüche oder Witze gehören zu dieser Kategorie, ja sogar einprägsame Filmsequenzen.

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Warum das so ist, erklärt sich durch die Denkweise unseres Gehirns. Während abstrakte Begriffe erst übersetzt werden müssen, um sie einordnen und verstehen zu können, werden Storys direkt mit Erinnerungen, Gedanken und Vorstellungen verknüpft.

 

Wir denken in Bildern.

 

Deshalb sollte man in seiner Sprache auch auf Fremdwörter, Fachbegriffe oder Versicherungschinesisch verzichten. Dazu las ich gerade als abschreckendes Beispiel einen Satz, den ich zunächst zwei-, dreimal lesen musste:

„Eine beitragsorientierte Leistungszusage ist sicherlich bedarfsgerechter
als eine Beitragszusage mit Mindestleistung.“

Das ist Behördensprache ‚as it‘s best‘, gekennzeichnet durch schwerfällige Substantive und Fachbegriffe, die einem normalen Zuhörer sicher nicht vertraut sind.

Wenn jeder Beitrag den genauen Leistungskatalog abbildet, ist das übersichtlicher als eine bestimmte Leistung mit einem festen Beitrag zu verknüpfen!

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Doch auch Zahlen sind abstrakte Begriffe. 25 Prozent lösen so wenig Emotionen aus, wie eine „9“ etwas ‚Neun-artiges‘ an sich hätte. Solche Informationen führen eher dazu, dass man denkt, dann wird mir schon nichts passieren!

Zahlen und Ziffern werden vom Gehirn zunächst übersetzt. Gedächtniskünstler z.B. haben für jede Zahl ein Bild im Kopf. Die 1 ist eine Kerze, die 2 ein Schwan, die 3 ein Dreirad u.s.w. Will man sich dann eine Zahl merken, entsteht ein Geschichte, eine Story! Je verrückter, desto besser. 23112 lautet dann: Ein Schwan auf dem Dreirad fährt Slalom durch zwei Kerzen, um zu seiner Schwänin zu kommen!

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Eine typische Aussage, die man so oder so ähnlich immer wieder liest, lautet:

„Im Laufe ihres Berufslebens werden 25 % aller Arbeitnehmer berufsunfähig!“ 

Damit soll auf die Notwendigkeit einer Berufsunfähigkeitsversicherung hingewiesen werden. Auch so ein Begriff, der nicht leicht zu verdauen ist. Vielleicht spricht man besser von der ‚Absicherung der eigenen Arbeitskraft‘?

Jetzt verpacken wir die 25 Prozent in eine kleine Geschichte:

„Stellen Sie vor: Sie stehen im 30. Stock eines Hochhauses vor den vier Aufzügen und wollen gerade nach unten fahren.

Phil Desforges by Unsplash

Da kommt eine Durchsage:
„Achtung, Achtung! Einer der vier Fahrstühle wurde sabotiert und kann abstürzen!“

Nehmen Sie den Fahrstuhl oder lieber die Treppe?“

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Auch diese Story beschreibt das Verhältnis 1:4 oder 25 %, hat jedoch eine ganz andere Wirkung!

Ergänzt man diese kleine Story noch mit dem Hinweis, dass das Risiko seine Arbeitskraft zu verlieren genauso groß ist, wie das Risiko abzustürzen, kann man die Entscheidung für oder gegen eine entsprechende Absicherung ganz dem Kunden überlassen.

„Ob man selber betroffen sein wird, kann man nicht wissen! Man kann aber dafür sorgen, dass dann wenigstens die finanziellen Folgen deutlich abgemildert sind.“

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